Der Lungen-Enzian - Gentiana pneumonanthe - ist im Kreis Coesfeld extrem selten. Ein bekanntes Vorkommen befindet sich auf der Wildpferdebahn bei Dülmen.
Besonders bekannt ist der Lungen-Enzian als Wirtspflanze des Lungenenzian-Ameisenbläulings, einer stark gefährdeten Schmetterlingsart, die ihre Eier ausschließlich auf dieser Pflanze ablegt. Die enge Bindung beider Arten macht sie zu einem Symbol für die empfindlichen Wechselwirkungen in unseren Feuchtwiesen-Ökosystemen.
Seinen deutschen Namen und den botanischen Artzusatz „pneumonanthe“ verdankt der Lungen-Enzian seiner früheren Nutzung als Heilpflanze gegen Lungenleiden.
Der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) ist eine mehrjährige, bis zu 60 cm hohe Pflanze mit aufrechten Stängeln und schmalen, gegenständig angeordneten Blättern, deren Ränder leicht umgerollt sind. Die tiefblauen, trichterförmigen Blüten erscheinen einzeln oder in kleinen Gruppen an der Spitze des Stängels und in den oberen Blattachseln – ein charakteristisches Bild spätblühender Feuchtwiesen im Spätsommer.
Der Lungen-Enzian wächst auf nährstoffarmen, feuchten Standorten wie Moor- und Pfeifengraswiesen, Feuchtheiden und Borstgrasrasen. Er bevorzugt mäßig saure bis neutrale, sandig-torfige Böden. Als Spätblüher ist er auf die Bestäubung durch Hummeln und andere langrüsselige Insekten angewiesen. Seine feinen, leichten Samen werden nach der Reife vom Wind verbreitet.
Der Lungenenzian steht im Zentrum einer hoch spezialisierten Lebensgemeinschaft mit dem Lungenenzian-Bläuling (Phengaris alcon) und bestimmten Knotenameisen-Arten (Gattung Myrmica):
- Im Sommer legt der Lungenenzian-Bläuling seine Eier auf die Knospen des Lungenenzians.
- Die geschlüpften Raupen fressen zunächst im Inneren der Blüte, bevor sie sich zu Boden fallen lassen.
- Dort werden sie von Knotenameisen aufgenommen, die sie dank täuschender Duftstoffe für eigene Larven halten.
- Im Ameisennest werden die Raupen über den Winter mitgefüttert und geschützt.
- Im darauffolgenden Sommer schlüpfen die fertigen Falter – sie haben nur wenige Tage Zeit, sich zu paaren und neue Eier am Lungenenzian abzulegen.
Dieses faszinierende Zusammenspiel von Pflanze, Schmetterling und Ameise zeigt eindrucksvoll, wie empfindlich ökologische Beziehungen sein können – und wie wichtig der Erhalt geeigneter Lebensräume ist.