Pfeifengraswiesen

Pfeifengraswiesen sind sogenannte Streuwiesen, die auf feuchten bis nassen und extrem nährstoffarmen Böden wachsen. Das Wachstum dieser Pflanzengesellschaft beginnt vergleichsweise spät im Jahr mit dem Austrieb des Pfeifengrases Ende Mai. Die Wiese kann daher erst ab September gemäht werden. Früher wurde das Heu aufgrund seines geringen Futterwertes als Einstreu genutzt. Die Pfeifengraswiesen sind für den Naturschutz von großer Bedeutung, da hier viele gefährdete Arten vorkommen.

 

Die Pfeifengraswiese wird zwei‐ bis dreimal im Jahr nach der Lungenenzianblüte von den Dülmener Wildpferden beweidet. Allerdings nur stundenweise, denn es ist viel los: Auf der fußballfeldgroßen Wiese grasen gut 400 Stuten mit ihren Fohlen! Doch diese Pflege ist nicht ideal, denn eigentlich ist es ja eine Wiese. Deshalb sollte die Fläche zukünftig gemäht werden. Hierfür stehen noch Absprachen mit dem Eigentümer an.

NSG Wildpferdebahn im Merfelder Bruch (Dülmen): Von August bis Anfang Oktober blüht der Teufelsabbiss (Succisa pratensis) auf der Lungenenzian‐Pfeifengraswiese. Wenn es auf den Altweibersommer zugeht, ist die Wiese mit zahlreichen Spinnennetzen überzogen.
Lungen-Enzian, Gentiana pneumonanthe auf der Pfeifengraswiese im NSG Wildpferdebahn, Dülmen-Merfeld (2019).

Pfeifengraswiesen sind europaweit gefährdet. Sie sind durch die FFH-Richtlinie als FFH-Lebensraumtyp 6410 geschützt. Diese Wiesen beherbergen zahlreiche gefährdete Arten, die auch in Feuchtheiden anzutreffen sind. Im Kreis Coesfeld waren sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem im Bereich der Moore entlang der Heubachniederung zu finden. In der einzigen verbliebenen Pfeifengraswiese kommt auch der Lungenenzian vor. Dieser ist ebenfalls vom Aussterben bedroht.

FFH: Die Flora-Fauna‐Habitat‐Richtlinie (= FFHRL) ist eines der wichtigsten Naturschutz‐Instrumente der Europäischen Union zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa. Nach der FFHRL sind Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (= FFH‐Gebiete) für definierte, ökologisch wertvolle Lebensräume (= FFH‐Lebensraumtypen) und Arten auszuweisen, um sie dauerhaft zu schützen.

Lungenenzian Gentiana pneumonanthe 

Borstgras Nardus stricta 

Sparrige Binse Juncus squarrosus 

SumpfSchafgarbe Achillea ptarmica 

KnäuelBinse Juncus conglomeratus 

Dreizahn Danthonia decumbens 

Blutwurz Potentilla erecta 

Teufelsabbiss Succisa pratensis 

Kriechweide Salix repens

Die Hörstation erzählt spannende Geschichten über zwei seltene Grünlandarten im Kreis Coesfeld:

Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) – eine Feuchtwiesenart, die vom Aussterben bedroht ist und unter dem Klimawandel leidet.
Hör 'rein! → Hörspiel: Lungen-Enzian, Schmetterling und Ameise

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – eine Orchideenart, die vom Klimawandel profitiert und sich derzeit im Kreis Coesfeld ausbreitet.
Hör 'rein! → Hörspiel: Bienen-Ragwurz - eine Insektentäuschblume auf Ausbreitungskurs

Sprecher: Andreas Küper-Wohlers

Hörstation in der Ausstellung "Wo die wilden Pflanzen leb(t)en"